Lingen und Gronau – in zwei Akten

Die Atomfabriken im Nordwesten der Republik sind der blinde Fleck des deutschen Atomausstiegs. Damit nicht vergessen wird, dass von dort die halbe Welt mit angereichterem Uran und Brennelementen beliefert wird, findet seit langem jährlich eine Demo in Lingen statt. Diesmal auch mit Bussen aus Aachen und dem Wendland. Das neu gegründete Bündnis AgiEL (AtomkraftgegnerInnen im Emsland) hatte ein Motto gewählt, das den Altersdurchschnitt der Demonstranten deutlich senkte. Die Rote Karte sollte nicht nur Atom sondern auch der Kohle gezeigt werden. Eine große Gruppe aus dem Umfeld von Fridays 4 Future Münster brachte mit kreativen Sprechchören Leben in die größte Kleinstadt weit und breit. Dass dies zu einer besonders denkwürdigen Veranstaltung wurde, hatte allerdings mit einer sehr speziellen Polizeipräsenz zu tun, die bedrohlich von dem abwich, was zuvor zwischen Versammlungsleitung und Polizei vereinbart wurde. Und das war das Übliche gewesen für eine angemeldete Demo: Je ein Polizeifahrzeug vorneweg und hinterher und ein paar Schutzpolizisten, die den Verkehr regeln. Stattdessen tauchte schon bei der Auftaktkundgebung am Bahnhof eine Einheit der Bereitsschaftspolizei auf. Zu Beginn der Demo stellten sie sich in bestimmten Formationen auf, die man/frau wohl auf dem Hof der Polizeikaserne lernt. Die Demo sollte durch ein Spalier der Eingreiftruppe in die Fußgängerzone marschieren. Dazu ein Augenzeugenbericht, den ein Aachener Teilnehmer an das Lingen- Netzwerk geschickt hat. „Es war nicht die größte Lingen- Demo. Es war aber die entschlossenste! Vor allem hat mich die Versammlungsleitung des AgiEL beeindruckt. Dem provokanten Polizeiaufmarsch (z.T. in „Kampfmontur“) durch beharrliches Stehenbleiben zu widerstehen, war eine große und mutige Leistung. Chapeau! Immer solange wieder-stehen bleiben, bis die Truppe am Straßenrand sich dorthin bewegte, wo sie hingehört – wenn sie schon da ist: An den Anfang oder das Ende des Zuges. Das musste ein paar Mal wieder-holt werden, bis sie es kappiert hatten. Es war für mich nach vielen Demoerfahrungen das erste Mal, dass ich erleben durfte, wie einige Hundert Menschen friedlich, aber bestimmt eine Polizeitruppe dirigiert haben. Offensichtlich waren einige von ihrer Einsatzleitung – nach ihrer Kleiderordnung zu urteilen – darauf eingeschworen worden, „Krawallmacher“ raus zu picken. Schließlich wurde ja ein deutlich sichtbares Transparent mit „Ende Gelände- Logo“ mitgeführt und auch eine schwarz/rote Fahne war zu sehen. Oh Gott, wirf Hirn herunter. Kennt ihr immer noch nicht deren Gandhischen Kodex? Aber klar, eure Heeresleitung braucht die Feindbilder und zur Not provoziert sie die Krawalle selber, oder was? Wenn das eure Rechnung war, dann haben wir alle sie euch heute gründlich vermasselt 😉 Es war die kollektive Besonnenheit, die es ermöglichte, dass die Demo bereits jetzt großes Echo in den Medien ausgelöst hat, und zwar ein solches, das sich mit den Inhalten unserer Forderungen auseinandersetzt. Das Finale der Kommunikation mit der Einsatzleitung soll nicht verschwiegen werden: Als sich nach dem Abbiegen von der Fußgängerzone an einem kleinen Platz, doch nochmal die Eingreiftruppe in voller Breitseite entlang der Demoroute präsentierte, weigerten wir uns alle im vorderen Block, dieses Spießrutenlaufen mit zu machen. Und dann kamen uns die wendländischen Xambistas zu Hilfe, stellten sich davor und zeigten, wer hier den

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Die Fridays und Greta

Am globalen Streiktag letzten Freitag waren es in Aachen 8.000 Menschen von ganz jung bis Ur-Opa/Oma von Schüler bis Unternehmer und ihre Mitarbeiter. Ein besonderes Highlight waren die Artists for Future, die als Politiker in den Brunnen am Europlatz stiegen, und auch noch, als ihnen das Wasser bis zur Hüfte und zum Halse stand, mit beschwichtigenden und belehrenden Gesten und Mimik ihre Ratlosigkeit demonstrieren. https://youtu.be/-bO3ngJ8y_o In der Tat ist das Klimapaket der Bundesregierung alles andere als der „große Wurf“, den man zu Recht beim UN Gipfel zur Lobpreisung hätte präsentieren können. Wenn man weit werfen will, muss man trainieren. Wer aber sein Trainingsziel (2020) absehbar weit verfehlt, der sollte vielleicht den Trainer wechseln oder aus eigener Einsicht ganz neue Stimulantien anwenden. Na gut, Svenja Schulze hat sich abgemüht, Kontrollmechanismen einzubauen. Auch war es nicht mehr möglich die CO2 -Bepreisung aus dem Paket rauszuhalten, nachdem sogar 70% von CDU und SPD Wählern das forderten. Aber die Lächerlichkeit von 10 €/to kann jeder für seinen Heizenergie Verbrauch auf einem Bierdeckel ausrechnen. Wie? Schauen Sie auf Ihre letzte Rechnung vom Lieferanten für Gas, Öl oder Strom. Dort stehen ihre Fakten. Wenn Sie z.B. als Durchschnittsfamilie zwei bis drei tausend kg CO2 pro Jahr für Heizung und Warmwasser emittieren, dann belastet Sie die neue Steuer jährlich mit ganzen 30 €. Ist das ein dringliches Motiv Energiesparmaßnahmen am Haus in Erwägung zu ziehen? Kann unser Finanzminister nicht rechnen? Oder war kein Bierdeckel zur Hand? An Greta scheiden sich die Geister Greta Thunbergs Segeltörn über den atlantischen Ozean und ihre Auftritte in den USA und auf der UN- Klimakonferenz sorgen nicht nur bei Politikern zu Abwehrreaktionen. Auch in der Presse beeilen sich manche Kommentatoren ihr wahres Gesicht zu zeigen. Ein Beispiel von vielen ist Claudia Scholz, die als Redakteurin im Stuttgarter Pressehaus in der letzten Wochenendausgabe groß aufgemacht das Contra-Greta lieferte. Sie unterstellt der Aktivistin eine „antifreiheitliche Haltung„. Wen sie, Frau Scholz, vor Unfreiheit schützen will, sagt sie gleich danach: „Alle, die unabhängig sein wollen von Bus und Bahn, die dorthin fliegen wollen, wo sie aus Spaß oder Berufsgründen hinmüssen, die essen wollen, was sie wollen“.Aus Spaß irgendwohin fliegen müssen –  eine großartige Beschreibung der Zwanghaftigkeit der Spaßgesellschaft. Und noch einen oben drauf: „Die Wissenschaftsgläubigkeit der Schülerin ist fatal.“ Der Autor Peter Siller, der Frau Köhlers Contra Greta Statement in der Stuttgarter Online Wochenzeitung Kontext bissig kommentierte, bemerkt dazu: „Der Klimawandel: fake news? Das kannte ich bislang nur von einem Präsidenten (weiter weg) und einer Partei (ganz nah).“ Nachlesen lohnt sich unter. Der Kampf geht weiter – bleibt alle heiter Noch ist das Klimapaket nicht durch Bundestag und Bundesrat. Die Entwürfe der daraus folgenden Gesetze und Verordnungen sind noch nicht geschrieben. Deshalb rufen die Umweltorganisationen gemeinsam zu Nachbesserungen auf. Zur Unterstützung unterschreiben kann man z.B. Hier Wir sollten von diesem „business as usual“ nicht zu viel erwarten. Wir müssen uns darauf  einrichten, einen langen Atem zu haben. Die jungen Leute werden auch das vormachen und die Alten mitreißen. Seid dabei. Es ist eine historische Chance. Nehmen

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Fr, 20.09.2019. Ein Friday for Future für alle

Habt ihr einen Moment Zeit für die Wochenplanung? Ist alles schon verplant! Und der Freitag? Geht nicht! Ich muss arbeiten. Mein Chef gibt mir nicht frei, um mit den „Schuleschwänzern“ zu demonstrieren. Moment mal. Hast du Kinder? Wie wär’s mit einem Urlaubstag als persönliches Opfer für die Zukunft, derer, die nach uns noch auf Planet A leben wollen? Ein Ja! dazu wird euch reich belohnen. Mit einem Erlebnis, von dem ihr noch euren Enkeln erzählen könnt: Ich war dabei! Am Freitag, dem 20. Sep. 2019, dem globalen Klimastreiktag. Rezo, der mit den blauen Haaren, hat unsere Politiker vor der Europawahl in Erklärungsnöte gebracht. Jetzt ist es die „Mai“, eine grandiose youtuberin, die uns die Leviten liest. Aber das fordert beim Surfen eine knappe ½ Stunde Zeit zum Aufpassen. Nehmt euch die Zeit – und zwar jetzt – eine halbe Million Menschen haben das schon vor euch geschafft.  Hier der Link:  https://www.youtube.com/watch?v=4K2Pm82lBi8 Wer lieber den Scientist for Future zuhören mag, kann deren aktuelles Video hier anschauen. Dauert nicht ganz so lang. Klimastreik in Aachen Ab 10.00 h versammeln wir uns am Elisenbrunnen. Irgendwann, wenn der Platz die Menschenmassen nicht mehr fasst, geht es über die Peterstraße, Blücher- und Europaplatz zur Abschlusskundgebung und zum Feiern aller Generationen im Kennedypark. Das Wetter wird schön spätsommerlich sein. Wer kann da noch im Büro, der Firma, der Uni oder Schule bleiben und über seine Ausreden grübeln? Wir brauchen keinen europaweiten Streiktag wie am 21. Juni, um mit Tausenden in Aachen zu zeigen, was Jung und Alt von der Politik und sich selber fordern! Kommt zuhauf, wünscht das 3 Rosen Team.

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Noch keine Sommerpause

Unisono erklären alle Verantwortlichen, dass sie den „Kohlekompromiss“ 1:1 umsetzen wollen. Egal ob Bundes- oder Landespolitiker oder RWE-Vorständler. Was sie aber tun, ist was ganz anderes. Initiativen der Bundesumweltministerin Svenja Schulze befinden sich im Sperrfeuer der Kritiker aus der Union. Altmaier ist unfähig die Strukturwandel- Milliarden für den Kohleausstieg mit gesetzlichen Vorgaben zum Klimaschutz zu verknüpfen. Und RWE macht weiter wie vor Jahrzehnten geplant.  Jetzt steht die Weichenstellung für die Grundwasserabsenkung 2020 bis 2030 für den Tagebau Hambach unmittelbar bevor. Das Oberbergamt in Arnsberg, hat die Umweltverträglichkeits-Prüfung für den RWE Antrag zur „Sümpfung“ von 450 Mio. cbm Grundwasser pro Jahr im kommenden Jahrzehnt veröffentlicht. Dieses Video aus der WDR- Lokalzeit vom 23.07. erklärt die Hintergründe. Einsprüche können nur noch bis zum 6. Aug. 2019 eingereicht werden. Und diese sollten nicht nur von den Umweltorganisationen sondern von möglichst vielen besorgten Bürgern kommen. Lasst uns den Briefkasten, das Fax und die Mailbox der Genehmigungsbehörde fluten mit Schriftstücken, mit denen sie sich qua Amt beschäftigen müssen. Jede/r kann das tun! Formulierungshilfe für unser gutes Recht Ihr müsst euch nicht durch tausende Seiten RWE- Dokumente quälen. Diese gibt es Online HIER. Auf dieser offiziellen Webseite des Bergamtes stehen auch die Regularien für die Zustellung der Einwendungen (Post, Fax oder digital signiertes Mail) Drei Vorschläge helfen, eure persönliche Stellungnahme zu formulieren. Es sind dies allesamt Auszüge von Einsprüchen aus der Zivilgesellschaft und sind von den Autor*innen zur eigenen Verwendung freigegeben. Sie haben unterschiedliche Schwerpunkte und Textlängen. Von einer kurzen Klimapolitischen Stellungnahme über eine ausführliche Textsammlung bis hin zu einer fachlich fundierten Detailkritik zur Gefährdung der Wasserversorgung im großen Einzugsgebiet der verstärkten Sümpfungsmaßnahmen (letzteres mit Bildmaterial, Download dauert etwas). Nach den Wochen der Proteste gegen das Vorrücken der Bagger an den Waldrand (zuletzt kamen am So, 14.07. über 600 Menschen zum Waldspaziergang) ist jetzt der Widerstand an der Computer-Schreibmaschine dringend notwendig. Schreibt mit eigenen Worten und/oder wählt aus den obigen Angebote aus. Denn alles was aktenkundig wird, wird nie vergessen werden. Eure Enkel werden euch danken, dass ihr getan habt, was ihr konntet. Unser nächstes Thema: Gefährden die aktuellen Grabungen der RWE-Bagger, die derzeit überall bis auf 50 m an die Waldkante vorrücken, den Wasserhaushalt für die Bäume und das Land? Ein Bild des Kölner Fotografen Herbert Sauerwein von Mai 2019, zeigt die Gefahr: Ein „Ausbluten“ der noch verbliebenen Grundwasserreservoire an der frischen Schnittkante.

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Bäume können sich nicht aufbäumen…

… der Mensch sehr wohl. Das las ich letzthin in einem eher lyrischen Text über das Verhältnis Mensch und Baum. Und es passt genau auf das, was wir tun müssen, um weitere Opfer zu verhindern. Beim nächsten Hambacher Waldspaziergang, So 14.07.2019, werden wir uns an der Rodungskante versammeln, die mittlerweile nur noch 50 m von der Tagebaukante entfernt ist, und den Opfern des RWE Landraubs gedenken. Hier an der Stelle, wo der Bagger vor unseren Augen am letzten Sonntag bei der spontanen ROTEN LINIE arbeitete, liegen ein dutzend Hainbuchen – ehemals kräftige junge Bäume („jung“ heißt im Baumleben einige Jahrzehnte alt sein). Sie waren der irRWEgigen, neuen Herausforderung auf einmal Waldrand zu sein, nicht gewachsen. Dort wird ein besonderer Teil des Waldspaziergangs am 14.07. in einem traurigen, aber kraftvollen Aufbäumen der Menschen enden, die sich dort niederlassen. Das Waldstück, zu dem diesmal der Waldspaziergang führt, ist ein lebendes Denkmal des erfolgreichen Widerstandes des letzten Jahre. Dieser Teil des Blatzheimer Bürgewaldes wurde gerettet durch den ersten gerichtlich verfügten Rodungsstopp in der beginnnenden Rodungungssaison 2017. Jetzt droht diesem einzigen Restwald nördlich der alten A4 (=ROTE LINIE von 2016) der Garaus dadurch, dass die Tagebaukante immer näher rückt. Das Eingangsbild zu diesem Blog zeigt was nach den neusten Luftbildaufnahmen und unseren Satelliten-Recherchen sich abzeichnte: Vom 4. bis 6. Juli wurde der westliche Teil der Förderbandstrecke verschwenkt, so dass sie an ihrem Endpunkt um etwa 100m vorgerückt ist, anschauen HIER. Dies erlaubt die Verlängerung des Föderbandes im Osten, so dass über die ganze Breite des Waldes das Tagebauloch weiter vorrücken kann. An diesem Waldrand an der noröstlichen Ecke des Hambi wollen wir am Sonntag die Alarmstufe in ROT leuchten lassen, in einer Picketline auf dem Wall im Gänsemarsch vorbeiziehen und uns schützend vor die Bäume stellen und setzen. Start: So, 14.Juli, 12.00 h in Manheim an der Kirche. Michael Zobel zeigt uns auf dem Weg zur alten A4 die grauenhafte Dorfzerstörung und führt uns dann zur BUND Wiese mit dem Hambach Mahnmal (Gelbes X, dort kann auch starten, wer erst später dazustoßen kann. Zufahrt frei, Parkplätze vorhanden). Dort sind wir schon in Sichtweite des Platzes, der im Zentrum des Spaziergangs steht. Wir erfahren, was das Baggern bis in die Nähe der Wurzeln für den Wasserversorgung der Bäume bedeuten kann und vieles mehr vom „Waldmeister“ und seinen Mitstreitern. Weitere Infos von ihm HIER. Macht euch auf den Weg, um vor den Sommerferien noch mal ein deutlich zu sagen: Stoppt den Bagger! KEINEN METER WEITER! Alarmstufe ROT … für den Wald … für die Dörfer … für den Kohlekompromiss

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Schluss jetzt! Stoppt den Bagger!

Es kam wie es kommen musste. Der RWE-Konzern macht in Hambach alles, was technisch möglich ist und ihm nicht verboten wird. Am Sonntag sahen wir bei der spontanen roten Linie dem gigantischen Landfresser aus nächster Nähe bei seinem Zerstörungswerk zu. Bis auf nur noch 50 Meter ist die Tagebaukante an der nordöstlichen Ecke an den Wald herangerückt. Über die Presse ließ RWE verlauten, dass ihnen das von der Aufsichtsbehörde, der Bezirksregierung Arnsberg, genehmigt wurde. Nachforschungen des BUND NRW ergaben, dass dies auf Basis eines Gutachtens der Geologischen Dienstes des Landes geschieht, das angeblich diesen Minimalabstand für den Wald als unschädlich ansieht. Dirk Jansen: „Auf unsere Anfrage hin wurden uns bislang weder das GD-Gutachten, noch die angeforderten RWE-Planunterlagen übersandt. Die BezReg wollte uns in der Vergangenheit trotz aller Nachfragen nie Abstandsangaben übermittelt. Dass wir das nun über die Medien erfahren, spricht für sich.“ Für diesen Blick in den Schlund des Schaufelrades mit 20 m Durchmesser brauchte man Sonntag kein Superteleobjektiv. Die Staubwolken zeigen die Trockenkeit der obersten Schicht, die vor der Rodung mal fruchtbarer Waldboden war. Blick von Westen nach dem Ende der Aktion. In der Mitte: Ein lebendes Denkmal – ein junger Hainbuchentrieb – gewachsen nach der Rodung 2017. Keinen Meter weiter! Wir müssen dran bleiben. Der Bagger ist mittlerweile am Ende der bestehenden Förderbandstrecke angekommen. Was ist jetzt geplant? So wie wir den Konzern kennengelernt haben, wird er weiter Fakten schaffen wollen. Noch haben die Bäume des Waldstücks nördlich der alten A4 über den größten Teil seiner Länge einen Abstand 200 bis 300 m vom großen Loch. In diesem Vorfeld gibt es noch guten Boden und eine große Fläche die Niederschläge aufnehmen und speichern kann. Hier könnte wieder Wald wachsen, wenn der „Wunsch“ der Kohlekommission umgesetzt wird. Unser „Bäumchen des Jahres“ braucht wieder Lebewesen um sich, die seinesgleichen sind. Wird man als nächstes die Förderbänder weiter vorrücken? Technisch ist das möglich und die Erdoberfläche in dem dann zugänglichen Bereich ist bereits von den hinderlichen Baumwurzeln befreit worden, wie die Videos zeigen. Mit der Freigabe durch ein willfähriges Oberbergamt kann dies in Kürze in Angriff genommen werden. Wir werden weiterhin das Geschehen mit Satellitenaufnahmen beobachten. Verhindern kann die Klimaschutzbewegung das nur, wenn Öffentlichkeit über das reale Treiben von RWE hergestellt wird. Viele Menschen müssen das Inferno mit eigenen Augen sehen und die Botschaft hinaustragen über, was dort geschieht. Die nächste Gelegenheit dazu ist der 63. Waldspaziergang mit Michael Zobel und Eva Töller am So, 14. Juli, der diesmal in Manheim starten wird. Dort ist die auch andere häßliche Seite derselben Medaille zu sehen – die rapide fortschreitende Zerstörung eines Dorfes.Bitte unbedingt vormerken und weitersagen! Es werden viele gebraucht, um laut und deutlich vor Ort zu sagen: „Keinen Meter weiter“.

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Keinen Meter weiter! Rote Linie am So, 30.06.

Seit Wochen haben wir aus dem Orbit das Treiben der RWE Bagger in Hambach beobachtet. In der letzten Woche war uns klar, dass die Annäherung an die Waldkante sich dramatisch zuspitzen wird. Am Do, 27.06., hatten wir zu einem Pressetermin vor Ort eingeladen. Noch am Morgen des Tages hätten wir nur wenige Meter vom Giganten der Zerstörung gestanden. Aber als um 18.00 h mit uns rund 60 Menschen vor Ort waren, hatte sich der Bagger ein paar hundert entfernt in den Hintergrund verzogen. Hatte RWE Angst vor der Öffentlichkeit, vor unbequemen Nahaufnahmen vom Landraub an der Waldkante? Nun ja, der Baggerfahrer und seine Maschine hatten ihre Arbeit getan. Sie waren bis an Ende der aktuellen Förderbandstrecke gegangen – genau dortin, wo wir es erwartet hatten. Die wachsame Security und die im Wald bereitstehenden Polizeikräfte verhinderten, dass die Kameras in eine Position gebracht werden konnten, um das Loch und seinen Verursacher auf einem Bild zu dokumentieren waren. Nur dieses unscharfe Bild aus der WDR Lokalzeit vom 27.06., um die Mittagszeit aufgenommen, zeigt, was wir gerne auch dokumentiert hätten. Was blieb war ein Blick vom Wall am Waldrand in das Loch. Die Protestgänse auf dem Marsch über den Wall am Saum des Waldes. Leider konnten wir nicht fliegen. Am Ende hat der Gut-zu-Fuß-Trupp von FFF, PFF & OFF das Nachlaufen mit dem Bagger gewonnen – und ihn bei den Restarbeiten hinter der Schranke des Betriebsgeländes gestellt. … es geht weiter: spontane Rote Linie, am So, 30.06. Aktive aus der Klimagerechtigkeits-Bewegung haben kurzfristig die Initiative ergriffen und starten um 12.00 h am Kieswerk Collas zur Wanderung durch den (kühlen) Wald. Ziel ist der Bereich, in dem sich das Drama der letzten Tage abspielte. Auf dem Wall vor den bedrohten Bäumen wird dann ca. ab 13.00 h die rote Linie aufgebaut. Ein anderer Schweif wird sich von der östlichen Waldkante nähern. Treffpunkt: 12.30 h an der BUND Wiese hinter Manheim. Dort erwarten euch das 3Rosen Team & Friends und gewähren sofort einen Blick in das große Loch im Boden. Besonders attraktiv für alle Fotografen und Kameraleute. Mobilisiert alle, die ihr erreichen könnt, damit klar wird, dass Rote Linien auch im Eiltempo eindrucksvoll werden können. Hier noch unsere Presseinformation vom Donnerstag mit ausgewählten und kommentierten Luftbildern dazu (hilft auch zu Orientierung im Gelände): https://3rosen.eu/wp-content/uploads/2019/06/Presseinfo-27.06_korr-1.pdf … und der großartige Artikel von Bernd Müllender in der taz … und die aktuelle Stellungnahme des BUND, die Dirk Jansen am Donnerstag vor Ort der Presse erläutere. … und die Satellitenbilder, die im Zeitraffer zeigen, wie im Laufe des Juni der Bagger marschiert ist und ein Video vom Drohnenflug vom 25.06. … und ganz frisch ein Satellitenbild von heute morgen gegen 10 Uhr, das zeigt, dass der Bagger wieder an der Waldecke gräbt und noch ca. 30 m weiter vorrrücken und sich dabei weiter dem Wald nähern kann. Ob er morgen Mittag noch dort zu finden ist???

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Was bedeutet der „Kohlekompromiss“ für den Hambacher Wald und die bedrohten Dörfer?

Der Abschlussbericht der „Kohlekommission“ wird oft kritisiert als zu zaghaft, um einen ausreichenden deutschen Beitrag zum Klimaschutz zu garantieren. Ja richtig! Es müsste schneller vorangehen als es der Kompromiss einer Kommission formuliert, die besetzt war mit Vertretern von Wirtschaftsverbänden über Gewerkschaften bis zu Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen. Aber:  Für den Streit um die Braunkohle- Kraftwerke in unserer Region ist der Ausstiegspfad der Kommission von zentraler Bedeutung. Und eine gute Nachricht! Bis 2022 sollen im Rheinischen Revier 3.100 MW Kraftwerksleistung stillgelegt werden. Das hatte auch Armin Laschet im Jan. 2019 seitens der NRW- Landesregierung angeboten. Nimmt man dies ernst, so reduziert sich die jährliche Köhleförderung aus den Tagebauen Hambach und Garzweiler II schon in den nächsten Jahren um etwa die Hälfte. Wenn danach die Leistung sukzessive weiter reduziert wird, werden noch 672 Mio.t bis 2038 benötigt. Bei einem Enddatum 2030, wie es die Scientists for Future für möglich halten, wäre es mindestens ein Viertel weniger.    Entscheidend ist nicht wie lange es noch dauert, sondern wie schnell im jeweiligen Zeitfenster welche Kraftwerke abgeschaltet werden. Der Ansatz der DIW-Studie nach Abschaltung der ältsten und schlechtesten Kraftwerke die drei BoA-Blöcke bis 2030 voll weiterzubetreiben und dann erst langsam zu reduzieren, ist kein Naturgesetz. Ambitioniertere Pfade wären es Wert kalkuliert und in die Potitikberatung eingebracht zu werden. Wie viel Landfläche muss noch geopfert werden? Um an die Kohle ran zu kommen, wird z.B. in Hambach über 400 m tief gegraben. Damit die Ränder des großen Loches bei der Kohlegewinnung stabil bleiben, ist ein Böschungswinkel von 1:3 erforderlich (max. 33% Gefälle bzw. knapp 20° Neigung) . So steht es im vom Bergamt genehmigten RWE-Rahmenbetriebsplan. Auf dieser Basis haben die Studien von BUND NRW und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ermittelt, was förderbar ist – und zwar ohne weitere ohne weitere Rodungen und Zwangsumsiedlungen. (Ein Auszug mit den entscheidenden Fakten aus dem DIW-Gutachten siehe unten) Die Antwort ist klar: Alle Dörfer können bleiben und der Wald auch! RWE– Konzern praktiziert derzeit das genaue Gegenteil.  Ohne jede Not nähern sich die gigantischen Bagger mit erhöhter Geschwindigkeit dem Wald und auch den bedrohten Dörfern. Seit September 2018 schaufeln zwei Großbagger auf der obersten Sohle Tag für Tag rund eine halbe Million (!) Kubikmeter weg. Als erstes immer wertvollen Waldboden und fruchtbare Lößerde. Fakten schaffen heißt die Devise. Luftbild im Sep. 2018 (Zeitpunkt der Räumung der Baumhäuser). Seither ist die Tagebaukante auf der Morschenicher Seite z.T. nur noch 130m vom Wald entfernt. (gelber Kreis).Auf der Manheimerseite droht in Kürze, dass bis an die Wurzeln der Bäume gebaggert wird (roter Kreis). Bildquelle: Thomas Krämerkämper, BUND NRW Und was macht „die Politik“? Wir haben eine Bundesregierung, die mit einem Klimaschutz-Gesetz, das seinen Namen verdient, nicht voran kommt und eine Landesregierung, die keine Anstalten macht, die Fakten der Kohlekommission in eine neue Leitentscheidung für die Reviere umzusetzen. Dies gibt dem Konzern die Rückendeckung weiterzumachen, als wäre nichts gewesen. Da gibt es nur eins: Der Protest muss in diesem Jahr wieder richtig laut werden. Auszug aus der Studie des Dt. Inst. für Wirtschaftsforschung, Berlin

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