Der Widerstand wird im Wohnzimmer organisiert

Von: Car­olin Cre­mer-Kruff (AZ 16.2.17)

Mit viel Engage­ment kämpfen sie gegen Atom­en­ergie: Moni­ka und Robert Borsch-Laaks haben die „Nach­barschaftsini­tia­tive Drei Rosen“ gegrün­det, die mit­tler­weile ein einge­tra­gen­er Vere­in ist. Neue Mit­stre­it­er sind stets willkom­men.

„Papa du kön­ntest auch mal wieder was tun!“ Als diese Botschaft im Novem­ber 2008 in Kom­bi­na­tion mit einem „Hausauf­gaben­heft für Atom­geg­ner­In­nen“ in Robert Borsch-Laaks Haus flat­terte, war das für ihn wie ein Déjà-vu.
Der Weck­ruf stammte von sein­er eige­nen Tochter, die sich zur sel­ben Zeit im Wend­land aufhielt, wo 15.000 Men­schen gegen die Cas­tor-Trans­porte demon­stri­erten. Eigentlich waren der mit­tler­weile 69-Jährige und seine Frau Moni­ka schon immer Ver­fechter von alter­na­tiv­en Energien und erk­lärte Atom­geg­n­er. Doch mit Verpflich­tun­gen, die Job und Kinder mit sich bracht­en, beschränk­te sich das Engage­ment irgend­wann auf das eigene häus­liche Umfeld. Aber warum nicht wieder an alte Zeit­en anknüpfen? Gesagt, getan. Die Nachricht machte prompt die Runde in der Nach­barschaft, so dass Borsch-Laaks und seine Frau schnell Mit­stre­it­er fan­den.
Aus dem losen Net­zw­erk wurde im Jahr 2010 beim „StromweX­el Brunch“ die „Nach­barschaftsini­tia­tive 3 Rosen“, benan­nt nach der Straße, in der die Grün­dungsmit­glieder leben.
Das Wohnz­im­mer des Ehep­aars ist bis heute „Geschäftsstelle“ und Tre­ff­punkt der mit­tler­weile 13 Mit­glieder. Schon viele Aktio­nen wur­den von dort aus geplant. Zum Beispiel die Reise nach Besigheim, wo die Nach­barschaftsini­tia­tive am 12. März 2011 an ein­er Anti-Atom-Men­schen­kette von Neckar­wes­t­heim nach Stuttgart teil­nahm. Aber auch eigene Aktio­nen riefen sie ins Leben, zum Beispiel 15 Mah­nwachen mit Pro­gramm am Elisen­brun­nen in Folge der Katas­tro­phe in Fukushi­ma oder die „Ener­gis­chen Kul­tur­abende“.
Seit ger­aumer Zeit beun­ruhi­gen die Mit­glieder der Ini­tia­tive wie viele andere Men­schen in der Region auch die Entwick­lun­gen des nahe gele­ge­nen mar­o­den Atom­kraftwerks Tihange bei Lüt­tich. 2012 starteten die Mit­glieder daher auf dem Aach­en­er „Ehrenwert“-Tag ihre „Stop-Tihange-Kam­pagne“ und wur­den Teil des Stop-Tihange-Bünd­niss­es. Selb­stver­ständlich wird auch die „Ini­tia­tive 3 Rosen“, die seit Dezem­ber 2016 unter dem Vor­sitz von Her­bert Gilles ein einge­tra­gen­er Vere­in ist, an der näch­sten großen Aktion gegen Tihange dabei sein und ein Zeichen set­zen. Geplant ist, am 25. Juni eine 90 Kilo­me­ter lange gren­züber­schre­i­t­ende Men­schen­kette von Aachen über Maas­tricht und Lüt­tich nach Tihange zu bilden.
Bis dahin geht das „Tages­geschäft“ des Vere­ins jedoch weit­er. Ins­beson­dere wer­den weit­er Unter­schriften für die Schließung des bel­gis­chen Atom­kraftwerks gesam­melt – rund 70.000 Unter­schriften und 270.000 Online-Klicks sind mit­tler­weile zusam­mengekom­men.

Außer­dem ste­hen eigene Ver­anstal­tun­gen wie die Bene­fizver­anstal­tung „Kul­tur kann kämpfen“ am 11.März auf dem Pro­gramm. Ein Schaufen­ster­wet­tbe­werb für die kreativsten Schaufen­ster in Aachen zur Stop-Tihange-Kam­pagne ist auch ger­ade ange­laufen. „Es gibt noch viel zu tun und wir wer­den aktiv mit dabei sein“, blickt Borsch-Laaks in die Zukun­ft.

 

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