Es brennt! Die Menschenkette in Aachen

Die Aach­en­er Kette ist — zurecht — die meist zititerte in den Medi­en — auch in den über­re­gionalen. Nach Polizeiangaben sollen es etwa 3.000 Men­schen gewe­sen sein, die inner­städtisch dicht an dicht standen. Ob dabei diejeni­gen mit­gezählt wur­den, die jen­seits des Ortss­childes an der Lüt­tich­er­straße sich versammelten?

Zur Ein­schätzung eine kleine Geschichte zur Men­schen­kette aus den Außenbezirken:

Wir hat­ten als Ini­tia­tive 3 Rosen e.V. den Abschnitt 35 beim Hochgrund­haus als unseren Mobil­isierung­sort gebucht. Andere Mit­glieder und langjährige Mitstreiter:innen waren an anderen Stellen im Bere­ich außer­halb der Stadt­gren­ze aktiv, um z.B. die „nor­malen“ Besuch­er von Wald­schenke und Entenpfuhl zu informieren, was hier auf dem Weg nach Kelmis los ist.

Meine Frau Moni und ich waren schon um 10 Uhr vor Ort, um den reservierten Platz mit beson­deren Info-Ange­boten füllen zu kön­nen. Wir hat­ten einige unser­er „Pappfreund:innen“ dabei. Diese hat­ten wir bei der 90 km Men­schen­kette gegen die Risse-Reak­toren in Tihange und Doel Ende Juni 2017, für diejeni­gen Men­schen ange­fer­tigt, die wegen Urlaub und anderen Grün­den so nicht per­sön­lich teil­nehmen konnten.

Über ein Tele­fonat mit Michael Zobel, dem Wald­führer, beka­men wir bei der Suche nach ein­er Idee zum Ein­satz jen­seits des Ortschildes den Tipp, den Bere­ich des Wal­dorf-Kinder­gartens zu „buchen“. Die Anmel­dun­gen seit­ens der Eltern war erst nicht beson­ders ermuti­gend. Aber wir hat­ten ja die Pappfreund.innen und die „Ket­ten­bän­der“ aus der Tihange-Men­schen­kette zum Lück­en schließen dabei, s. Video.

Aber am Ende waren es weit mehr Men­schen als wir für den Abschnitt angemeldet hat­ten. Die Eltern dop­pel­ten mit ihren Kindern sog­ar den Bere­ich der Papp­fig­uren und unseres 3 Rosen Trans­par­ents. Weit­er oben kon­nte die Kette in näch­sten Abschnitt erweit­ert wer­den – aber bis zur Wald­schenke, wo auch mehr Men­schen waren als erwartet, reichte es lei­der man­gels Kom­mu­nika­tion­s­möglichkeit­en in der kurzen Auf­stel­lzeit nicht.

Nach Ende der offiziellen Aktion, bin ich runter zum (unteren) Grund­haus gegan­gen, um die Kom­mentare auf den weißen Zetteln einzusam­meln, um sie dann an die Organ­isatoren weit­er zu geben. Dabei begeg­nete ich einem Vater der Wal­dor­fkinder, der sel­ber schon viele Blät­ter einge­sam­melt hat­te. Warum? Er stammt aus Arns­berg und ken­nt das Haus vom Merz. Er wird am kom­menden Woch­enende in seine Heimat fahren und seine und unsere hun­derte einge­sam­melten State­ments dort übergeben – wahrschein­lich, so seine real­is­tis­che Ein­schätzung, nur an die Polizis­ten, die dessen Haus rund um die Uhr bewachen. Wir macht­en uns im Gespräch keine Hoff­nung, dass er diese wirk­lich lesen wird. Aber dass der bun­desweite Protest bis an seine Haustüre kommt, ist sich­er ein kleines High­light unser­er Aach­en­er Aktion, oder?

Warum eine Kette bis Belgien?

Eigentlich war die acht Kilo­me­ter lange Strecke von Aachen bis Kelmis gedacht, um an die schreck­lichen Torf­brände im bel­gis­chen Hohen Venn zu erin­nern. Aber eine andere Entwick­lung bei unseren bel­gis­chen Nach­barn hat begonnen uns wieder zu beschäftigen.

Im verteil­ten Infoblatt (s. unten) kön­nt ihr lesen, welche Pläne seit dem Recht­sruck vor drei Jahren die bel­gis­che Zen­tral­regierung ini­ti­ieren will, um den dama­li­gen Atom­ausstieg aus der Zeit ein­er grü­nen eco­lo – Energiem­i­nis­terin umzu­drehen. Wir müssen wach­sam sein. Wenn ihr mit uns auf­passen wollt, dann abon­niert unseren Newslet­ter HIER  … Wir hal­ten euch gerne auf dem Laufenden.

Es bleibt bei unserem Mot­to der let­zten 15 Jahre: Kohle und Atom – zweimal falsch­er Strom. Wir freuen uns neue Kon­tak­te zu Ini­tia­tiv­en, Vere­inen und ein­fachen Men­schen, die an dieser tollen bürg­er­schaftlichen Aktion in Aachen dabei waren.

Spontane Botschaften von Menschen aus der Kette

Als abschießen­des Resümee möchte ich noch ein Paar Zettel zitieren, die ich am Ende noch auf unserem Stand vor­fand und nicht mehr auf den direk­ten Weg nach Ans­berg geben kon­nte, weil ich ver­säumt hat­te, seine Kon­tak­t­dat­en von dem Samm­ler zu erfra­gen. Sie sind m.E. tre­f­fend für das, was uns alle irgend­wie umtreibt:

  • Es ist für mich unver­ständlich, dass wesentliche unser­er Lebens­grund­la­gen zer­stört wer­den. Seit den 70er Jahren ist bekan­nt, was fos­sile Brennstoffe anricht­en und es wird zu wenig unter­nom­men um Alter­na­tiv­en anzugehen.
  • Ich kann nicht ver­ste­hen, dass der Kli­maschutz bei unser­er Regierung so unwichtig ist. Mit einem chao­tis­chen Kli­ma entziehen wir uns unsere bish­er guten Lebens­be­din­gun­gen. Und das soll­ten wir nicht zulassen. 
  • Keine Aufrüs­tung und Atom­kraftwerke. Ein­satz der Poli­tik für Frieden auf der Welt!!!
  • Kli­maschutz ist Men­schen­schutz. Für mich eines der wichtig­sten The­men unser­er Zeit. Wir brauchen effiziente poli­tis­che Maß­nah­men über Partei­gren­zen hin­weg. Fördert erneuer­bare Energien und nutzt die Instru­mente, die wirken — z.B. den CO2- Preis!
  • Merz leck Eier

Nun gut, der 5 fün­fte Zettel, ist für mich als Wider­standsse­nior keine Parole, die ich schreiben würde. Aber alle zusam­men zeigen, dass ein bre­ites Bünd­nis von ent­täuscht­en Regierten die aktuelle Poli­tik nicht akzep­tieren. Das let­zte kleine Video der Rad­we­gin­schrift ein­er Gruppe am Ende mein­er Exkur­sion bringt es auf den Punkt:

Wie gesagt, lasst uns in Verbindung bleiben — nicht nur für einen Hand-in-Hand-Moment. Der Kampf für ein besseres Leben darf weit­er gehen. Unsere Ini­tia­tive 3 Rosen e.V. mit vie­len Jahren Erfahrung – u.a. über einen qual­i­fizierten und wirk­samen Protest, in dem sich schon mal 50.000 Men­schen über 90 km tri­na­tion­al die Hand gaben — , freut sich auf Ver­stärkung, wenn die Atom­re­vival-Pläne der bel­gis­chen Regierung Ernst wer­den. Abon­niert unseren Newslet­ter: https://3rosen.eu/direkt-zum-newsletter/

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert