Michael Zobel schreibt zur Entwicklung im Hambacher Forst:

Guten Tag zusammen,

der Tag nach dem Gerichtsurteil in Köln. Der Hambacher Wald darf weiter gerodet werden. Ab Montag, dem 27. November ist es soweit. Das läuft seit gestern über die Ticker der Nachrichtenagenturen.

Eine Woche nach der Klimakonferenz COP23 in Bonn, die Weltöffentlichkeit ist nicht mehr da, jetzt sollen Tatsachen geschaffen werden, noch bevor der Kohleausstieg politisch festgezurrt wird, von welcher Regierung auch immer.

Zum Prozessauftakt am Dienstag gab es noch Hoffnung. Doch RWE hat alle Kompromissangebote des Richters kategorisch vom Tisch gefegt. Und wird nun in Kürze sein Vernichtungswerk am einstmal größten Wald des Rheinlandes fortsetzen.

Ich sage es, wie es ist, ich halte dieses Verhalten für einen Umweltfrevel. Für einen Anschlag auf die Natur, auf die Lebensgrundlagen von Menschen, von Tieren und von kommenden Generationen. Gegen besseres Wissen wird hier ein Machtspiel durchgezogen, koste es was es wolle.

Wir werden ab kommender Woche einen riesigen Polizeieinsatz erleben. Und wir werden erleben, wie die Menschen im Wald, die seit nun fünf Jahren den Hambacher Forst schützen, vertrieben werden. Wir werden erleben, wie alle Versuche der Deeskalation nahezu ausgeschlossen werden.

Gerade am Freitag, dem Tag der Urteilsverkündung, erhielt ich einen Brief von RWE, meine Waldführungen betreffend. Darin wird mir mitgeteilt, dass ab sofort die gesamte Zufahrtstraße L276 gesperrt ist, auch für Radfahrer und Fußgänger.

Wir lassen uns nicht vertreiben, die Waldspaziergänge gehen weiter. Das nächste Mal am 10. Dezember. Wie und wo genau dieser Spaziergang stattfinden wird, ist aktuell offen. Es gibt zur Zeit schon fast 200 Anmeldungen, ich teile rechtzeitig mit, wie wir uns auf die neuen Gegebenheiten einstellen werden.

Und nun?

Polizei und Presse teilen mit, dass am kommenden Montag, 27. November, die Rodungsarbeiten im Hambacher Wald beginnen. Und wenige Tage später sollen ALLE Baumhäuser geräumt werden.

Ich weiß nicht, wie wir diesen absehbaren Wahnsinn verhindern können.

Wünschenswert ist eine möglichst große Mobilisierung. Wem dieser immer noch wunderbare Wald am Herzen liegt, soll sich in den kommenden Tagen aufmachen, am besten in Gruppen, nach Buir, nach Morschenich, in den Wald, in die Dörfer in der Umgebung.

RWE und Polizei wollen keine Zeugen, keine Augen, keine Ohren, keine Bilder der Zerstörung, keine Presse, keine Journalisten, keine Filme, keine Menschen, die im Weg stehen oder auf den Zufahrtstraßen sitzen, keine Menschen, die die entsprechenden Bilder in die Welt tragen, keine Menschen, die Wasser und Lebensmittel in den besetzten Wald bringen, keine Menschen, die Leserbriefe schreiben, die Politiker aufrütteln…

Wer den Wald in seiner unersetzlichen Schönheit noch einmal sehen will, jetzt ist vielleicht die letzte Gelegenheit.

Was passiert in den kommenden Tagen? Hier eine Nachricht aus Bonn:

„Am Sonntag, den 26.11., findet der erste aus Bonn organisierte Waldspaziergang statt!

Treffpunkt ist in Bonn Hbf um 10:45 auf Gleis 2 (Zug fährt um 11:01 ab).
Wir nehmen den Zug bis Köln Hbf und müssen dort um 11:40 in die S 13 Richtung Düren auf Gleis 11 B-C steigen (für die Menschen, die in Köln dazusteigen wollen) und sind dann um 12:09 in Buir.
Von Buir müssen wir dann noch so ca. 20 Min. bis zum Hambi laufen, wo wir vorraussichtlich einen Menschen, der uns durch den Wald führen wird, treffen. Das Ganze dauert vor Ort dann ca. 2-3 Stunden.
Feste Schuhe, Regenjacke, was zu Essen und Trinken können von Vorteil sein und wer Lust hat kann gerne einen veganen Kuchen für die Menschen im Wald backen und mitbringen!
Auch wenn ihr selber an dem Tag keine Zeit habt, wäre es super, wenn ihr die Info an viele Menschen weitergebt!“

Aktuelle Nachrichten direkt aus dem Hambacher Wald findet ihr im Blog HambacherForst.org,
eine eindrucksvolle Stellungnahme aus der evangelischen Kirche hier,
hier einen Kommentar vom WDR
und das alles, wo der schnelle Kohleausstieg auch bei RWE längst beschlossen ist, wie verlogen ist das eigentlich…?

CFO des Monats

Es gibt mehrere Mahnwachen, hier gibt es die Infos!

Danke allen Menschen, die sich in den letzten Jahren auf unterschiedlichste Weise für den Erhalt des Hambacher Waldes eingesetzt haben und die das in den kommenden schweren Stunden tun werden.

Egal, was passiert, ich appelliere an alle Beteiligten: Bleibt besonnen, wir brauchen keine Verletzten, auf keiner Seite…

Das erst einmal für den Moment, wir sind ratlos, traurig, verzweifelt, aber wir und viele andere werden nicht aufgeben.

Mit freundlichsten Grüßen aus Aachen,

Michael Zobel und Eva Töller